Django Bates – British Strangeness

Aus aktuellem Anlass möchte ich an dieser Stelle einmal die Musik von Django Bates vorstellen. Als ich mein erstes Bates Album gekauft habe, (das dürfte mit Summer Fruits and Unrest 1993 gewesen sein) war ich gelinde gesagt überfordert. Es gab zwar ein, zwei Stücke, mit denen ich sofort etwas anfangen konnte, jedoch blieb mir der Großteil verschlossen. Das sollte jedoch nicht lange so bleiben!

Vor allem auch durch das Studium bei John Taylor wurde ich immer wieder auf Django gestoßen, so daß ich mir einmal die Mühe gemacht habe, seiner Musik die gebührende Zeit und Aufmerksamkeit zu bieten. Und? Ich bin ein Fan geworden.

Inzwischen befinden sich in meiner CD-Sammlung so ziemlich alle (erhätlichen) Veröffentlichungen von Bates – leider keine Aufnahme der „Loose Tubes“, die zwischen 1984 bis ca. 1990 die Schreiberei für große Jazzensembles einen mutigen Schritt nach vorne gebracht hat. In dieser Band wirkten neben Bates auch Iain Ballamy, Eddie Parker, die Arguëlles Brüder und Tim Whitehead.

Aus den Loose Tubus entwickelte sich später Delightful Precipe, Bates‘ großes Pendant zum Quartet Human Chain. Während meines Studiums konnte ich das Summer Fruits and Unrest live im Vortex (Islington) hören und war schlicht weggeblasen von der Energie und Kraft dieser Band. Vor allem Martin France, Bates‘ Leib und Magen Schlagzeuger über viele Jahre sei hier gesondert erwähnt. Insgesamt war diese Band in Ihrer Kauzigkeit die Inkarnation einer unabhängigen Jazzentwicklung, die ich bis dato in Deutschland und den USA schmerzlich vermisst hatte.

Über die Jahre, vor allem seit Bates‘ Quiet Nights release hat sich meine Begeisterung etwas gelegt, denn auch bei Bates festigte sich eine gewisse Rezept-Kompositionstechnik, die ein wenig auf der Stelle tritt und von der Dynamik früherer Stücke eingebüßt hat. Damit meine ich nicht, daß man ständig „Neues“ erfinden sollte oder könnte – eher daß die mehr impulshafte Kompositionen früherer Zeiten (auch für Bill Bruford’s Earthworks) etwas mehr Unbekümmertheit hatten. Beleg dafür ist, daß ich auch heute noch gerne die älteren Aufnahme hören, während die Neuen mit einem Kopfnicken „…ja ich weiß, Django.“ zurück ins CD-Regal wandern.
Heute erinnert mich Bates‘ Arbeit zu oft an programmatische Konzeptmusik – gerade aber die Mischung von Intellekt und Bauch früherer Werke stellen für mich eine weitaus spannendere Mischung dar!

Nichts desto trotz zählt für mich persönlich Bates zu den großen Impulsgebern der neueren Jazzgeschichte!

http://en.wikipedia.org/wiki/Loose_Tubes

http://en.wikipedia.org/wiki/Delightful_Precipice

http://en.wikipedia.org/wiki/Human_Chain

Hörempfehlungen:

Music for The Third Policeman (1990) Theatermusik

Summer Fruits (and Unrest) (1993) Zirkusmusik

Winter Truce (and Homes Blaze) (1995)

Good Evening…Here is the News (1995) mit London Sinfonietta!

Bill Bruford’s Earthworks: Dig? (1989)

Iain Bellamy: All Men Amen (1995)

Sidsel Endresen: So I write (1990), Exile (1993)

„Being outside the establishment has always seemed important to me. There are always promoters and producers who want to meddle with your music . . . More and more I find myself wanting to speak up about these things. Ah, the wonderful smell of burning bridges!“ 2005

Django Bates hat einige Kompositionen geschrieben, die mich heute immer noch fast zu Tränen rühren.

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