Här kommer Pippi Langstrump

Im Auto unterwegs nach Hause. Sophia, meine Tochter sitzt neben mir, „Papa, ich will Musik hören!“. OK, ich schalte WDR3 ein. Es läuft die Kultursendung „Resonanzen“, ich freue mich. Eigentlich ist mein Stammsender WDR5 (Wortbeiträge, keine Musiksendungen) – ich freue mich also schon gespannt auf die Zwischenmusik bei WDR3, denn dort ist man dazu übergegangen, immer mal wieder Jazz einzuspielen.

Die Musik beginnt, es scheint Jazz zu sein. Ein ganz angenehmer Trompetensound spielt… was? Ah, das kenn‘ ich doch! Es ist das Pippi Langstrumpf-Thema. Meine Miene verdüstert sich. Das Klavier steigt ein und spielt das gleiche Thema, aber rhythmisch und tonartmäßig etwas versetzt – aha, ich verstehe! Es soll modern sein… Oh, aber es groovt nicht. Oh, es nervt immer mehr. Ich bin mir ziemlich sicher, daß es eine westeuropäische Band sein muß, die verzweifelt nach einem neuen Inhalt sucht und dann diese schreckliche Wahl getroffen hat. Es ist ist furchtbar. Die Tatsache allein, auf Pippi Langstumpfs Melodie zurückzugreifen und damit ins Studio zu gehen (um eine Jazz-CD für Kinder zu machen, oder warum jetzt genau?) ist ja an sich schon etwas fragwürdig. Aber sie dann noch in einen nicht-groovenden, polytonal improvisierten Calypso zu packen, der vor sich hin drögelt, ist wirklich schauderhaft.

Ich sage nichts, ich schweige. Sophia meldet sich:

… das ist hässlich, warum machen die das? Die klauen die Melodie von dem, der sie erfunden hat und machen sie hässlich – das ist doch fies! Die machen das nur, weil Ihnen selber nichts einfällt. Ich finde das furchtbar!

Meine Tochter ist 7 Jahre alt und scheint schon einiges begriffen zu haben.

Lasse Lindgren Quartet Constellation – Lindgren spelar Lindgren: „Här kommer Pippi Langstrump“ (erschienen am 01.01.2003, Gazell Records AB)

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