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1990er bis heute [Bearbeiten]

Max Greger 2008

Der Jazzforscher Ekkehard Jost stellte im Jahr 1992 zwei Grundtendenzen der Jazzszene fest: Jazz als Repertoiremusik und Jazz in beständiger und dynamischer Entwicklung. Die Letztere lebe aus musikalischer Praxis und basiere auf den Ursprüngen des Jazz. In den 90er Jahren dominierte, noch stärker als schon in den 80er-Jahren, die Vermarktung der Musikstile. Besonders der Jazz war davon betroffen. Ein bekannter Entertainer verstand es, den Jazz auf seine eigene Art in seine Comedy-Kunst zu integrieren: Helge Schneider. Ein weiterer bekannter deutscher Jazz-Musiker und Entertainer ist Götz Alsmann. Erfolgreich ist auch der Trompeter Till Brönner. Neben Brönner gibt es noch eine Reihe weiterer Jazzer, die sich in der Szene mit Entertainment-Jazz einen Namen gemacht haben. Allerdings sind es nicht nur diese Musiker, die zum Teil unter schwierigen Bedingungen als Jazzmusiker in Deutschland arbeiten und den Jazz in seiner Vielfalt entscheidend gestalten.

Zudem erfolgte eine Angleichung zwischen Ost- und Westdeutschland, deutlich zu Lasten der ostdeutschen Jazzkultur. Im Laufe der Zeit wurden oft Elemente des Jazz in andere Musikrichtungen wie Hip-Hop, später in Drum ’n’ Bass und andere integriert. Diese Ergebnisse werden bei genügender Jazzlastigkeit als Acid Jazz oder als NuJazz gewertet. Jazz findet sich heute in vielen bekannten und unbekannten Musikproduktionen wieder; in deutschem Hip-Hop, in House, in Drum ’n’ Bass, in mancher Tanzmusik und vielen weiteren Musikstilen.

Nach der Privatisierung der Radiolandschaft gegründete Jazzsender wie Jazz Welle Plus in München und Jazz Welle plus Hamburg waren mehrere Jahre auf Sendung, bevor sie eingestellt wurden, da sie nur ein Minderheiten-Publikum erreichten. Auch im Fernsehen sind die Sendeorte für Jazz selten geworden. Jazzclubs und andere Spielstätten haben weiterhin mit der Schwierigkeit zu kämpfen, dass die Besuchersituation zumindest schwer vorhersehbar und häufig auch dramatischen Veränderungen unterworfen ist. Oft bleibt das jüngere Publikum aus. Auch aus steuerlichen Gründen (sog.Ausländersteuer) gehen die Tourneen großer internationaler Musiker insbesondere des Modern Creative, die in der Schweiz, in Österreich, in den Niederlanden, in Italien und Frankreich spielen, zunehmend an Deutschland vorbei.

Obwohl es heutzutage viel mehr Jazzmusiker in Deutschland gibt als in den 1960er und 1970er Jahren, wird es dem Publikum durch die elektronischen Medien erleichtert, sich ein eigenes Meinungsbild von den Jazzmusikern und ihrer Musik zu machen. Traditionelle Meinungsmacher wie z.B. die Jazzredaktionen der öffentlichen Rundfunkanstalten verlieren dadurch an Einfluss. Auch Veranstalter und Konzertagenturen gestalten nicht mehr die Geschmacksrichtung des Publikums, wie in der Vergangenheit, sondern folgen nur noch den aktuellen Trends.

In welche Richtung der deutsche Jazz sich in Zukunft deshalb bewegen wird bleibt unklar. Symptomatisch steht dafür vielleicht die Situation des renommiertesten deutschen Jazzfestivals (JazzFest Berlin), das seit den 1990ern regelmäßig in die Kritik gerät, und dessen künstlerische Leiter immer wieder auf geschmäcklerische Konzepte zurückgriffen, ohne dass eine klare künstlerische Linie sichtbar wurde. [27] Dieser Trend wird gestützt durch die auf Quote schielenden Programme der Jazzproduzenten. [28]

 

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